Die Zauberflöte

Libretto von Emanuel Schikaneder

gekürzte Dialogfassung der Sächsischen Taschenoper Ingo Anders

 

Tamino (tritt Papageno entgegen)
Heda!

Papageno
Was da?

Tamino
Sag mir, lustiger Freund, wer bist du.

Papageno
Wer ich bin? Dumme Frage!
(laut) Ein Mensch wie du. Wer bist du denn?

Tamino
Ich bin ein Prinz.

Papageno
Prinz?

Tamino
Ja, Sohn eines Fürsten, der über viele Länder und Menschen herrscht.

Papageno
Sag, gibt's außer diesen Bergen auch noch andere Länder und Menschen?

Tamino
Viele Tausende!

Papageno
Da ließe sich vielleicht ein Geschäft mit meinen Vögeln
machen.

Tamino
Sicher.     Aber sag, wie heisst diese Gegend?

Papageno
Das kann ich dir nicht sagen. Ich weiss ja nicht einmal,
wie ich auf die Welt gekommen bin.

Tamino (lacht)
Was ? Wie lebst du?

Papageno
Von Essen und Trinken, wie alle Menschen.

Tamino
Wodurch erhältst du das?  

Papageno
Durch Tausch. Ich fange für die sternflammende Königin
und ihre Jungfrauen verschiedene Vögel; dafür erhalt ich
täglich Speis' und Trank von ihr.

Tamino 
Sag mir, guter Freund, hast du diese
Göttin der Nacht schon gesehen?

Papageno
Gesehen? Die sternflammende Königin ? Welcher
Sterbliche kann sich rühmen, sie je gesehen zu haben,
ohne zu erblinden?

Tamino (für sich)
Das ist die nächtliche Königin, von der mir mein Vater
so oft erzählte. Aber wie habe ich mich nur hierher verirrt?  

Papageno
Warum siehst du so verdächtig nach mir?

Tamino
Weil - ich zweifle, ob du ein Mensch bist.

Papageno
Wie war das? Bleib zurück,  ich habe Riesenkraft.  

Tamino
Riesenkraft?
Also warst du mein Retter, der diese giftige Schlange bekämpfte?

Papageno
Schlange? – (Sieht sich um, weicht zitternd einige Schritte zurück.) Ist sie tot oder lebendig?

Tamino
Freund, wie hast du dieses Ungeheuer bekämpft? Du bist ohne Waffen.

Papageno
Brauch keine! Bei mir ist ein starker Druck mit der Hand mehr als Waffen.

Tamino
Du hast sie also erdrosselt?

Papageno
Erdrosselt! 


VIERTER AUFTRITT


Die drei Damen 
Papageno!

Papageno
Aha, das geht mich an!

Tamino (halblaut)
Wer sind diese Damen?

Papageno (ebenso)
Wer sie sind, weiß ich selbst nicht. Sie nehmen mir täglich meine
Vögel ab und bringen mir dafür Wein, Zuckerbrot und süße Feigen.

Tamino
Sie sind vermutlich sehr schön?

Papageno
Ich denke nicht. Denn wenn sie schön wären, würden sie
ihre Gesichter nicht bedecken.

Die drei Damen (näher tretend, drohend)
Papageno!

Papageno
Du fragst, ob sie schön sind,  ich kann dir darauf
nur antworten,  dass ich in meinem Leben
nichts Reizenderes sah. Jetzt werden sie bald wieder gut werden.

Die drei Damen (noch näher tretend, drohender)
Papageno

Papageno

(für sich) Was muss ich denn heute verbrochen haben, dass sie gar
so aufgebracht sind?
Hier, meine Schönen, meine Vögel.
Erste Dame (reicht ihm eine schönen Krug Wasser)
Dafür schickt dir unsre Fürstin heute zum ersten Mal statt Wein
reines, klares Wasser.

Papageno
Wasser?

Zweite Dame (tritt an deren Stelle)
Und mir befahl sie, dass ich, statt Zuckerbrot, diesen
Stein dir überbringen soll. Ich wünsche, dass er dir wohl
bekommen möge.

Papageno
Was? Steine soll ich fressen?

Dritte Dame (an die Stelle der zweiten Dame tretend)
Und statt der süßen Feigen hab ich die Ehre, dir dieses
goldene Schloss vor den Mund zu schlagen.
(Sie hängt ihm ein Schloss vor.)

Papageno (zeigt seinen Schmerz durch Gebärden)

Erste Dame
Du willst vermutlich wissen, warum die Fürstin dich
heute so wunderbar bestraft?

Papageno (bejaht es durch Nicken mit dem Kopf)

Zweite Dame
Damit du künftig nie mehr Fremde belügst.

Dritte Dame
Und  dich nie der Heldentaten rühmst, die andre
vollzogen.

Erste Dame (auf die Schlange zu ihren Füßen zeigend)
Sag ! Hast du diese Schlange besiegt?

Papageno (verneint es durch Schütteln mit dem Kopf)

Zweite Dame
Wer dann ?

Papageno (deutet, er wisse es nicht)

Dritte Dame (zu Tamino)
Wir waren es, die dich befreiten. Zittre nicht,
dich erwartet Freude und Entzücken. Hier, dieses Bild
schickt dir die große Fürstin, es ist das Bildnis ihrer Tochter.
Wenn dir diese Züge dir nicht gleichgültig sind, dann ist
Glück, Ehr' und Ruhm dein Los. Auf Wiedersehen!

Zweite Dame
Adieu, Monsieur Papageno!

Erste Dame
Und nicht zu hastig getrunken!

(Geht lachend ab.)

Papageno (eilt in stummer Verlegenheit ab.)

Tamino
(hat gleich nach dem Empfang des Bildnisses seine
Aufmerksamkeit nur diesem zugewendet)

FÜNFTER AUFTRITT

Tamino
Nr. 3. Arie

SECHSTER AUFTRITT

Die erste Damen.
Tamino!

Zweite Dame
Die Königin hat mir aufgetragen, dir zu sagen

Dritte Dame
...dass der Weg zu deinem Glück gebahnt ist.

Erste Dame
Sie hat jedes deiner Worte gehört, sie hat –

Zweite Dame
...jeden Zug in deinem Gesicht gelesen. Ihr mütterliches Herz

Dritte Dame
...hat beschlossen, dich ganz glücklich zu machen. Hat
dieser Jüngling, sprach sie, auch so viel Mut und
Tapferkeit, als er zärtlich ist, so ist meine Tochter
Pamina ganz gewiss gerettet.

Tamino
Gerettet? Wovor gerettet?

Erste Dame
Sarastro, ein böser Dämon, hat sie entrissen.

Tamino
Was? Entrissen? O kommt Mädchen, führt mich, Pamina sei gerettet!
(Kurzer, starker Donnerschlag. Es wird dunkel).

Tamino
Was ist das?

Erste Dame
Es kündigt die Ankunft unserer Königin. (Donner)

Zweite Dame
Sie kommt! (starker Donner)

Erste und dritte Dame
Sie kommt! (sehr starker Donner)

Königin der Nacht (tritt mit Tamino vor)
Nr. 4. Rezitativ und Arie Rezitativ 

Tamino (nach einer Pause)
Ist's denn auch Wirklichkeit, was ich sah? Oh, ihr guten Götter! Täuscht mich
nicht, Mein Herz wird euch ewigen Dank sagen! 

Nr. 5. Quintett

Dritter Sklave
Hahaha!

Erster Sklave
Pst! Pst!

Zweiter Sklave
Was soll denn das Lachen?

Dritter Sklave
Unser Peiniger, der alles belauschende Mohr, wird
morgen sicherlich gehangen oder gespießt. Pamina!
Hahaha!

Erster Sklave
Nun?

Dritter Sklave
Das reizende Mädchen! Hahaha!

Zweiter Sklave
Nun?

Dritter Sklave 
Ist entsprungen.

Zweiter Sklave
Was spricht nun der Mohr dazu?

Erster Sklave
Er weiß doch davon?

Nr. 6. Terzett

Papageno (mit vorsichtigen Schritten beobachtend durch die Mitte)
Bin ich nicht ein Narr, dass ich mich schrecken ließ? Es
gibt ja schwarze Vögel in der Welt, warum denn nicht
auch schwarze Menschen?
( Pamina erwacht)
Ah, sieh da! Hier ist das schöne Fräuleinbild.
Du - Tochter der nächtlichen Königin -

Pamina (erhebt sich)
Nächtliche Königin? Wer bist du?

Papageno
Ein Abgesandter der nächtlichen Königin.

Pamina
Du kennst meine Mutter?  Dein Name?

Papageno
Papageno

Pamina
Papageno? Du kennst also meine gute, zärtliche Mutter?

Papageno
Wenn du die Tochter der nächtlichen Königin bist - ja!

Pamina
Die bin ich.

Papageno
Das will ich gleich erkennen.
Die Augen schwarz - richtig schwarz - die Lippen rot - ganz rot!
-blonde Haare - blonde Haare. Alles trifft zu! Aber dir fehlen Hände und Füsse
(zeigt ihr das Porträt)

Pamina
Ja, ich bin's. Wie kam es in deine Hände?

Papageno
Also ich kam heute früh, wie gewöhnlich, zu deiner Mutter Palast mit meiner Lieferung. Eben als ich im Begriffe war, meine Vögel abzugeben,
sah ich einen Menschen vor mir, der sagt, er ist ein Prinz.
Dieser Prinz hat deiner Mutter so gefallen, dass sie ihm dein
Bildnis schenkte und ihm befahl, dich zu befreien.
Sein Entschluss war so schnell wie seine Liebe zu dir.

Pamina
Liebe? (freudig) Er liebt mich also? O sage mir das noch einmal,
ich höre das Wort Liebe gar zu gern.

Papageno
Das glaub ich dir, du bist ja ein Mädchen.
 -Wo blieb ich denn?

Pamina
Bei der Liebe.

Papageno
Richtig, bei der Liebe.

Pamina
Aber wenn er Liebe für mich fühlt, warum säumt er so lange,
mich zu befreien?

Papageno
Ja - zur Sicherheit schickte der Prinz  mich
voraus, um dir unsere Ankunft anzukündigen.

Pamina
Freund, du hast viel gewagt! Wenn Sarastro dich hier erblicken sollte

Papageno
So würde mir meine Rückreise erspart - das kann ich mir
denken. Komm, du wirst Augen machen, wenn du den schönen
Jüngling siehst.

Pamina
Freund, du hast ein gutes Herz,
das sehe ich in jedem deiner Züge.

Papageno
Ach, freilich hab ich ein gutes Herz. Aber was nützt mir das alles?
Ich möchte mir oft alle meine Federn ausrupfen, wenn ich bedenke,
dass Papageno noch keine Papagena hat.

Pamina
Armer Mann, du hast also noch kein Weib?

Papageno
Noch nicht einmal ein Mädchen, viel weniger ein Weib!
Und unsereiner hat doch auch bisweilen seine lustigen Stunden,
wo man gern gesellschaftliche Unterhaltung haben möchte.

Pamina
Geduld, Freund! Der Himmel wird auch für dich sorgen;
er wird dir eine Freundin schicken.

Papageno
Wenn er sie nur bald schickte!

Nr. 7. Duett

Nr. 8. Finale  

ENDE DES ERSTEN AKTES


ZWEITER AUFZUG

Nr. 9 Marsch der Priester
Erster- dritter Priester kann von einem Priester gesprochen werden
Sarastro (nach einer Pause)
Ihr, in dem Weisheitstempel eingeweihten Diener der
großen Götter Osiris und Isis! Mit reiner Seele erklär ich
euch, dass unsere heutige Versammlung eine der
wichtigsten unserer Zeit ist. Der Prinz Tamino will
ins Heiligtum des größten Lichtes blicken. Ihn zu beschützen, ihm freundschaftlich
die Hand zu reichen, ist unsere Pflicht.

Erster Priester (steht auf )
Er besitzt Tugend?

Sarastro
Tugend!

Zweiter Priester
Auch Verschwiegenheit?

Sarastro
Verschwiegenheit!

Dritter Priester
Ist er wohltätig?

Sarastro
Wohltätig! - Haltet ihr ihn für würdig, so folgt meinem
Beispiel.
(Sarastro und die Priester blasen dreimal in die Hörner.)

Gerührt über die Einigkeit eurer Herzen, dankt Sarastro
euch im Namen der Menschheit. Mag immer das
Vorurteil seinen Tadel über uns Eingeweihte auslassen!
Unsere Säulen erschüttern sie nie.
Jedoch das böse Vorurteil soll schwinden, und es wird schwinden,
sobald Tamino selbst die Größe unserer schweren Kunst besitzen wird. -
Pamina ist dem Jüngling bestimmt; dies ist der
Grund, warum ich sie der stolzen Mutter entriss. Sie hofft durch
Blendwerk und Aberglauben das Volk zu berücken und unsern
festen Tempelbau zu zerstören. Allein, das soll sie nicht.
Tamino selbst, soll ihn mit uns befestigen und als
Eingeweihter ein Vorbild an Tugend und ein Feind allen Lasters sein.

(Der dreimalige Akkord mit den Hörnern wird von allen
wiederholt.)
Sprecher (steht auf)
Großer Sarastro, deine weisheitsvollen Reden erkennen
und bewundern wir; allein wird Tamino auch die harten
Prüfungen bestehen? Bedenk, er ist  Prinz.

Sarastro
Mehr noch - er ist Mensch!

Sprecher
Wenn er nun aber in seiner frühen Jugend sein Leben lässt?

Sarastro
Dann wird er der Götter Freuden früher fühlen als wir.
(Dreimaliger Akkord wird wiederholt.)
Man führe Tamino herein.
(Zum Sprecher, der vor ihm niederkniet.)
Und du, Freund, vollziehe dein heiliges Amt und lehre ihn
die Weisheit und Macht der Götter erkennen.
(Sprecher geht mit einem zweiten Priester ab.)
Priester (stellen sich mit ihren Palmenzweigen zusammen).

Nr. 10. Arie mit Chor

ZWEITER AUFTRITT

Tamino und Papageno werden vom Sprecher und dem zweiten Priester
hereingeführt. Die Priester lösen ihnen die Schleier ab und entfernen sich
damit.

Tamino
Eine schreckliche Nacht! Papageno, bist du noch bei mir?

Papageno
Ja freilich!

Tamino
Wo denkst du, dass wir uns nun befinden?

Papageno
Wo? Ja, wenn's nicht finster wäre, wollt’ ich dir's schon
sagen - aber so
(Donnerschlag.)
O weh!

Tamino
Was ist?

Papageno
Mir wird nicht wohl bei der Sache.

Tamino
Du hast Furcht, wie ich höre.

Papageno
Ich, nein, nur eiskalt läuft's mir über den Rücken.
(Starker Donnerschlag.)
O weh!

Tamino
Pfui, Papageno, sei ein Mann!

Papageno
Ich wollt', ich wär' ein Mädchen!
(Ein sehr starker Donnerschlag.)
Oh! Oh! Das ist mein letzter Augenblick !

Sprecher und der zweite Priester mit Fackeln dazu

Sprecher
Ihr Fremdlinge, was treibt euch an, in unsere Mauern zu dringen?

Tamino
Freundschaft und Liebe.

Sprecher
Bist du bereit, sie mit deinem Leben zu erkämpfen?

Tamino
Ja!

Sprecher
Auch wenn der Tod dein Los wäre?
Tamino
Ja!

Sprecher
Noch ist's Zeit zu weichen - einen Schritt weiter, und es ist zu spät.

Tamino
Weisheitslehre sei mein Sieg; Pamina mein Lohn.

Sprecher
Du unterziehst dich jeder Prüfung?

Tamino
Jeder.

Sprecher
Reiche deine Hand mir!
(Sie reichen sich die Hände.)
So!

Zweiter Priester (zu Papageno)
Willst auch du dir Weisheitsliebe erkämpfen?

Papageno
Kämpfen ist meine Sache nicht. Ich verlange auch im
Grund gar keine Weisheit. Ich bin so ein Naturmensch,
der sich mit Schlaf, Speis' und Trank begnügt; und wenn
es ja sein könnte, dass ich mir einmal ein schönes
Weibchen fange

Zweiter Priester
Die wirst du nie erhalten, wenn du dich nicht unseren
Prüfungen unterziehst.

Papageno
Worin besteht diese Prüfung?

Zweiter Priester
Dich allen unseren Gesetzen zu unterwerfen, selbst den Tod
nicht zu scheuen.

Papageno
Ich bleibe ledig.

Sprecher
Aber wenn du dir ein tugendhaftes, schönes Mädchen
erwerben könntest?

Papageno
Ich bleibe ledig.

Zweiter Priester
Wenn nun aber Sarastro dir ein Mädchen aufbewahrt
hätte, das an Farbe und Kleidung dir ganz gleich wäre?

Papageno
Mir gleich? Ist sie jung?

Zweiter Priester
Jung und schön.

Papageno
Und heißt?

Zweiter Priester
Papagena.

Papageno
Wie? - Pa -?

Zweiter Priester
Papagena.

Papageno
Papagena? Die möcht' ich aus bloßer Neugierde sehen.

Zweiter Priester
Sehen kannst du sie!

Papageno
Aber wenn ich sie gesehen habe ,muss ich sterben?

Zweiter Priester (macht eine zweifelnde Handbewegung)

Papageno
Ja? - Ich bleibe ledig.

Zweiter Priester
Sehen kannst du sie, aber du darfst kein Wort mit ihr sprechen.  Kannst du deine Zunge in Schranken halten?

Papageno
O ja!

Zweiter Priester
Deine Hand, du sollst sie sehen. (Sie reichen sich die Hände.)

Sprecher
Auch dir, Prinz, legen die Götter ein heilsames
Stillschweigen auf; ohne dieses seid ihr beide verloren.
Du wirst Pamina sehen, aber nie sie sprechen dürfen;
dies ist der Anfang eurer Prüfungszeit.

Nr. 11. Duett

Papageno
He, Lichter her! Lichter her! Das ist doch wunderlich,
so oft einen die Herren verlassen, so sieht man mit
offenen Augen nichts.

Tamino
Ertrag es mit Geduld und denke, es ist der Götter Wille.

Nr. 12. Quintett

Sprecher
Tamino, Dein standhaftes Betragen hat gesiegt, komm

Zweiter Priester
Und Du? Was ist, steh auf

Papageno
Ich lieg in einer Ohnmacht, aber sagt mir, wenn ich doch schon ein Weib bekomme, warum all diese Gefahren?

Zwieter Priester
Diese Frage mag deine Vernunft dir beantworten.
Komm!

(Er gibt ihm einen Schleier um.)

Papageno
Bei so einer ewigen Wanderschaft möcht' einem wohl die
Liebe auf immer vergehen.

(Priester geht mit Papageno ab.)  

Pamina, Monostatos

Pamina schlafend auf dem Sitz unter den Rosen. Monostatos kommt,
setzt sich nach einer Pause.

Monostatos
Da find ich ja die spröde Schöne!
Wenn ich wüsste - dass ich so ganz allein und unbelauscht
wäre, ein Küsschen, dächte ich, ließe sich
entschuldigen.

Nr. 13 Arie

Königin (gebietend zu Monostatos)
Zurück!

Monostatos (prallt zurück)
O weh! Die Göttin der Nacht.

Pamina
Mutter! Mutter! Meine Mutter!

Königin
Wo ist der Jüngling,
den ich an dich sandte?

Pamina
Ach, Mutter, er hat sich den Eingeweihten gewidmet.

Königin
Den Eingeweihten? Unglückliche Tochter! Nun bist du
auf ewig mir entrissen.

Pamina
Entrissen? O fliehen wir, liebe Mutter! Unter deinem
Schutz trotz ich jeder Gefahr.

Königin
Schutz? Liebes Kind, deine Mutter kann dich nicht mehr
schützen. Mit deines Vaters Tod ging meine Macht zu
Grabe.

Pamina
Mein Vater

Königin
Übergab freiwillig den siebenfachen Sonnenkreis den
Eingeweihten. Diesen mächtigen Sonnenkreis trägt
Sarastro auf seiner Brust.

Pamina
Ist Tamino für mich auf immer für mich verloren?

Königin
Verloren, wenn du ihn nicht überredest, durch diese
unterirdischen Gewölbe zu fliehen.

Pamina
Dürft' ich den Jüngling als Eingeweihten
denn nicht auch ebenso zärtlich lieben, wie ich ihn jetzt
liebe? Mein Vater selbst war ja mit diesen weisen
Männern verbunden.

Königin
Was? Du, meine Tochter, könntest
einen Mann lieben, der mit meinem Todfeinde
verbunden ist? Siehst du hier dieses Messer? Er ist für
Sarastro geschliffen. Du wirst ihn töten und den
mächtigen Sonnenkreis mir überliefern.

Pamina
Aber liebste Mutter!

Königin
Kein Wort!

Nr. 14. Arie

Pamina (mit dem Dolch in der Hand)
Morden soll ich? Das kann ich nicht - das kann
ich nicht!
Was soll ich tun?

Monostatos
Dich mir anvertraun.
(Nimmt ihr den Dolch weg.)

Pamina (erschrickt)

Monostatos
Warum zitterst du? Vor meiner schwarzen Farbe oder vor dem ausgedachten Mord.

Pamina (schüchtern) 
Du weißt also? 

Monostatos
Alles.
Du hast also nur einen Weg, dich und deineMutter zu retten. Liebe mich!----

Pamina (entschlossen)
Nie!

Monostatos
So fahre denn hin!

Sarastro (tritt gebietend zwischen beide, erhebt drohend den Arm
Monostatos und schleudert Monostatos zurück)

Monostatos
Herr, man hat deinen Tod geschworen, darum....

Sarastro
Ich weiß nur allzu viel, weiß, dass deine Seele ebenso schwarz ist, wie dein Gesicht . Geh! 
Monostatos (im Abgehen)
Götter! Jetzt such ich die Mutter auf.

Pamina
Herr, strafe meine Mutter nicht; der Schmerz über meine Abwesenheit

Sarastro
(Er ergreift sie bei der Hand.) Ich weiß alles. Allein du sollst sehen, wie ich
mich an deiner Mutter räche.
 Nr. 15. Arie 

Tamino und Papageno

Sprecher
Hier seid ihr euch beide allein überlassen. Sobald die
Posaune tönt, dann nehmt ihr euren Weg. Prinz,
lebt wohl! Noch einmal, vergesst nicht: Schweigen!

Zweiter Priester
Papageno, wer an diesem Ort sein Stillschweigen bricht,
den strafen die Götter durch Donner und Blitz. Leb wohl!

13. AUFTRITT

Papageno
Tamino!

Tamino (verweisend)
St!

Papageno
Das ist ein lustiges Leben! Wär' ich lieber in meiner
Strohhütte oder im Wald, so hört' ich doch manchmal
einen Vogel pfeifen.

Tamino (verweisend)
St!

Papageno
Mit mir selbst werd ich wohl sprechen dürfen; und auch
wir zwei können zusammen sprechen, wir sind ja Männer.

Tamino (verweisend)
St!

Papageno (singt)
Lalala – lalala(!Rossini) - Nicht einmal einen Tropfen Wasser
bekommt man bei diesen Leuten, viel weniger sonst was.

14. AUFTRITT

Vorige; Altes hässliches Weib
(Das Weib kommt aus der Versenkung mit einem großen Becher Wasser
und reicht ihn Papageno.)

Papageno (sieht sie lange an)
Ist das für mich?

Weib
Ja, mein Engel!

Papageno (sieht sie wieder an, trinkt)
Wasser. Sag du mir, unbekannte Schöne, werden alle fremden Gäste auf
diese Art bewirtet?

Weib
Freilich, mein Engel!

Papageno 
Soso! Auf diese Art werden die Fremden auch nicht gar Papageno
zu häufig kommen.

Weib
Sehr wenig.

Papageno
Komm setz dich zu mir
 ……sag, wie alt bist du eigentlich

Weib
Achtzehn Jahr und zwei Minuten -

Papageno
Achtzehn Jahr und Zwei Minuten Hahaha! Ei, du junger Engel! Hast du auch einen Geliebten?

Weib
I freilich!

Papageno
Und ist er auch so jung wie du

Weib
Nicht gar, er ist um zehn Jahre älter.

Papageno
Das muss eine Liebe sein! Wie heisst er denn?

Weib
Papageno

Papageno
Und wo ist dieser Papageno?

Weib
Na, hier sitzt du doch 

Papageno
Was, ich soll dein Geliebter sein?

Weib 
Ja, mein Engel!

Papageno (nimmt schnell das Wasser undWeib spritzt ihr ins Gesicht)
Sag mir, wie heißt du denn?

Weib
Ich heiße ........
(Starker Donner. Das Weib hinkt schnell ab.)
Papageno
O weh!
Nun sprech ich kein Wort mehr!

15. AUFTRITT

Vorige. Die drei Knaben.
Nr. 16. Terzett

16. AUFTRITT

Tamino; Papageno.

Papageno
Tamino, wollen wir nicht speisen?

Tamino (bläst auf seiner Flöte)

Papageno
Blase du nur auf deiner Flöte,  Herr Sarastro führt eine gute Küche. Jetzt will ich schaun, ob
der Weinkeller auch so gut bestellt ist.
(Er schenkt sich ein und trinkt.)
Ha! - das ist Götterwein!

Tamino (beendet sein Flötenspiel)

(Pamina (eilt herbei)

17. AUFTRITT

Pamina; Vorige.

Pamina (freudig)
Tamino, ich hörte deine Flöte, und so lief ich schnell dem Tone nach.
- Aber du bist traurig? Sprichst nicht eine Silbe mit deiner Pamina?

Tamino (seufzt, winkt ihr, fortzugehen)

Pamina
Wie? Ich soll dich meiden? Liebst du mich nicht mehr?

Tamino (seufzt, winkt ihr wieder fort)

Pamina
Tamino!
Liebst du mich nicht mehr?

Tamino (seufzt)

Pamina
Papageno, sag du mir, was ist mit meinem Freund?

Papageno (hat einen Brocken im Munde, hält mit beiden Händen
die Speisen zu, winkt fortzugehen)
Hm! hm! hm!

Pamina
Wie? Auch du?  Oh, das ist mehr als Kränkung, mehr als Tod! 

Nr. 17. Arie 

18. AUFTRITT

Papageno (isst hastig)
Nicht wahr, Tamino, ich kann auch schweigen, wenn's
sein muss? Ja, bei so einem Unternehmen bin ich Mann.
Der Herr Koch und der Herr Kellermeister sollen leben!

(dreimaliger Posaunenton)

Tamino (winkt Papageno, dass er mit ihm gehen soll.)

Papageno
Geh du nur voraus, ich komme  nach.

Tamino (will ihn mit Gewalt fortführen)
(dreimaliger Posaunenton)

Papageno
Das geht uns an. Wir kommen schon. Aber hör einmal,
Tamino, was wird denn noch alles mit uns werden?

Tamino (zeigt gen Himmel)

Papageno
Die Götter soll ich fragen?
Tamino (bedeutet: ja)

Papageno
Ja, die könnten uns freilich mehr sagen als wir wissen.

(dreimaliger Posaunenton)

Tamino (reißt ihn mit Gewalt fort)

Papageno
Eile nur nicht so, wir kommen noch immer zeitig genug,
um uns braten zu lassen.

19

 

 
 
 
www.saechsische-taschenoper.ch

CMSimple_XH