Frauenliebe und Leben

Zum Inhalt des Programms:

Als Robert Schumann im Juni 1840 seinen Liederzyklus „Frauenliebe und Leben“ schuf, lief am Dresdener Appelationsgericht noch die von ihm und seiner Braut Clara Wieck eingereichte Klage zur Durchsetzung der Eheschließung, gegen die sich Friedrich Wieck vehement stellte. Dieser hatte für seine Tochter eine künstlerische Laufbahn vorbestimmt.

Aus den Zwängen dieser unglücklichen Situation heraus entstand „Frauenliebe und Leben“, einer der bedeutendsten Zyklen Schumanns.
Was beschreibt  somit mehr das Leben von Clara Schumann, die sich ihr Leben lang der Liebe und der Kunst widmete, als die Worte : „Frauenliebe und Leben“.
Clara Schumann schrieb einmal selbst: „...ich bedarf zu sehr der Liebe, die man so wohltuend empfindet – mit ihr schwände auch meine Lebenskraft...“, oder... „Die Ausübung der Kunst ist mir die Luft, in der ich atme.“
In den ersten Jahren ihrer fast 16-jährigen Ehe fand Clara wenig Zeit sich der Kunst in vollem Maße zu widmen. Das Konzertieren in den Konzertsälen ließ nach und ihre Aufgabe als Frau, Mutter und Hausfrau stieg täglich. Eine erstaunliche Leistung, bedenkt man, dass sie acht Kindern das Leben schenkte.

Robert bemerkte dies wohl und forderte sie mit neuen, musikalischen Aufgaben heraus. So saßen sie oft beisammen, lasen Gedichtbände und komponierten gemeinsam. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Lieder von Clara Schumann, die bis dahin noch nicht an ihr Talent als Komponistin glaubte. So erwuchs, neben ihrer großen Liebe füreinander, auch eine ideale Künstlergemeinschaft.
Clara Schumann im Mittelpunkt des Programms, eine Frau , die ihre Liebe und ihr Leben mit zwei schillernden Persönlichkeiten teilte. Die Liebe zu Robert Schumann und die liebevolle Freundschaft zu dem zweiten Komponisten dieses Abends, Johannes Brahms. Auch wenn bis heute nicht eindeutig zu belegen ist, wie sich die Beziehung  der beiden im Detail gestaltete , so ist auch hier in jedem Fall die Liebe zur Musik ein wesentlicher Aspekt.

Aber dieser literarisch, musikalische Abend soll nicht nur intime Beziehung zwischen den Geschlechter aufzeigen, sondern auch die Kraft, die aus dieser Musikepoche entsprang, beleuchten.
Poesie und Musik , die in ihrer Gemeinschaft einen so „sinnlichen Ton“ treffen, befördern uns Menschen doch  immer wieder in Entzücken. So steht im Mittelpunkt des Konzerts der Zyklus „Frauenliebe und Leben“, beginnend mit der Vorstellung: „Seit ich ihn gesehen, glaub’ ich blind zu sein“ und schließend mit dem Tod und den Verlust des geliebten Mannes: „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan“ .
Die vorliegende Liedauswahl schließt somit drei der bedeutendsten deutschen Musiker der Romatik ein, deren Leben eng miteinander verbunden war.

 Doreen Hoffrichter

„Morgens steh ich auf und frage“    
Robert Schumann op.24.No.1


Robert an Clara
(Seite 27- aus „Briefe einer Liebe“)


„Es treibt mich hin, es treibt mich her“   
Robert Schumann op.24 No.2

„Ich wandelte unter den Bäumen“    
Robert Schumann op.24 No.3

Clara an Robert
(Seite 29 aus „Briefe einer Liebe“)

„Er ist gekommen“ (Rückert)    
Clara Schumann op.12 No.2

Vaterkonflikt
(Seite 30 und ff. aus „Briefe einer Liebe“)

„Entflieh mit mir und sei mein Weib“   
Robert Schumann op.64 Nr.3

Erste gemeinsame Jahre
(Seite 9 ff. aus „Frauenliebe und Leben“)

„Liebst du um Schönheit“ (Rückert)   
Clara Schumann op.12 No.4

„Warum willst du andre fragen“ (Rückert)  
Clara Schumann op.12 No.11

Gemeinsames Liedschaffen
(Seite 329 aus „Clara Schumann - Eine Biographie“)
(Seite 5 – aus „Clara Sch. / „Sämtliche Lieder“)

„Liebeszauber“      
Clara Schumann   op. 13 Nr.3

„Die stille Lotosblume“     
Clara Schumann   op. 13 Nr.6

Clara Schumann – Die Musikerin
(Seite 228 und ff. / Seite 326 und ff. aus „Clara Schumann - Eine Biographie“)                            
(Seite 87/88 aus „Frauenliebe und Leben“)

„Träumerei“
Robert Schumann op.15 Nr.7 (Klavier)

 

Ingo:

Robert an Clara  am  13.Februar 1836

Der Schlaf stand mir in den Augen. Schon seit zwei Stunden warte ich auf die Eilpost. Die Wege sind so zerstört, dass ich vielleicht erst um 2 Uhr fortkomme.- Wie du vor mir stehst,
meine geliebte, geliebte Clara, ach so nah dünkt es mir, als ob ich dich fassen könnte. Sonst konnte ich alles zierlich in Worte bringen, wie stark ich jemandem zugetan, jetzt kann ich’s nicht mehr. Und wüsstest du’s nicht, so würde ich dir es nicht sagen können. Liebe du mich nur auch recht, hörst du, ich verlange viel, denn ich gebe viel.
Auch darf ich dir wohl sagen, dass meine Zukunft jetzt um vieles sicherer steht. Zwar darf ich nicht die Hände ich den Schoß legen und muß noch viel schaffen, um das zu erringen, was du kennst, wenn du zufällig an dem Spiegel vorbeigehst, indes wirst auch du eine Künstlerin bleiben wollen und keine Gräfin Rossi, d.h. du wirst mittragen, mitarbeiten, Freud und Leid mit mir teilen wollen. Schreibe mir darüber.
In Leipzig wird mein erstes sein, meine äußern Angelegenheiten in Ordnung zu bringen; mit den innern bin ich im Reinen; vielleicht dass der Vater nicht die Hand zurückzieht, wenn ich um seinen Segen bitte. Freilich gibt es da noch viel zu denken, auszugleichen. Indes vertrau ich auf unsern guten Geist.
Wir sind vom Schicksal schon füreinander bestimmt; schon lange wußt ich das, aber mein Hoffen war nicht so kühn, dir es früher zu sagen und von dir verstanden zu werden.
Was ich dir heute kurz und abgerissen schreibe, will ich später dir deutlicher erklären.. Am Ende kannst du mich gar nicht lesen, - nun dann wisse nur, dass ich dich recht unsäglich liebe.
Es wird dunkel in der Stube. Passagiere schlafen neben mir. Draußen stöberts und schneits. Ich aber will mich recht tief in eine Ecke bergen, mit dem Kopf in das Kissen und nichts denken als dich. – Lebe wohl, meine Clara.

          Dein Robert


Robert an Clara  am 13. August 1837 

Sind sie noch treu und fest? So unerschütterlich  ich an sie glaube, so wird doch auch der stärkste Mut an sich irre, wenn man gar nichts von dem hört, was einem das Liebste auf der Welt.
Und das sind sie mir: Es muß werden, wenn wir wollen und handeln. Schreiben sie mir nur ein einfaches Ja, ob sie ihrem Vater einen Brief von mir selbst geben wollen. Er ist jetzt gut gegen mich gesinnt und wird mich nicht verstoßen, wenn sie noch für mich bitten.
Vergessen sie also das „Ja“ nicht. Ich muß erst diese Versicherung haben, ehe ich an etwas weiteres denken kann
Alles dies meine ich aus voller Seele so, wie es dasteht, und unterschreibe es mit meinem Namen

          Robert Schumann

 

Doreen:


Clara an Robert am 15. August 1837


Nur ein einfaches „Ja“ verlangen sie? So ein kleines Wörtchen so wichtig! Doch  sollte nicht ein Herz so voll unaussprechlicher Liebe, wie das meine, dies kleine Wörtchen von ganzer Seele aussprechen können? Ich tue es und mein Innerstes flüstert es ihnen ewig zu.
Die  Schmerzen meines Herzens, die vielen Tränen, konnt ich das schildern, oh nein! Vielleicht will es das Schicksal, dass wir uns bald einmal sprechen und dann- Ihr Vorhaben scheint mir riskiert, doch ein liebend Herz achtet der Gefahren nicht viel. Also abermals sage ich „Ja“. Auch ich fühlte längst „es muß werden“, nichts in der Welt soll mich irre machen, und dem Vater werd ich zeigen, dass ein jugendliches Herz auch standhaft sein kann.

         Ihre Clara

 

Clara an Robert  am 19. August 1837


Meine Sehnsucht  sie zu sehen, zu sprechen ist unbeschreiblich- findet sich Gelegenheit , tue ich es ihnen kund. Heute morgen war ich fest entschlossen, ich wollte zu ihnen, mein Geist war schon vorausgeeilt, doch plötzlich hielt es mich fest – ich sah ihr Fenster, eine Träne quoll aus meinen Augen, ach wie war sie so heiß und schwermütig, das Herz voll Gefühlen ging ich zu Haus.
Glücklich macht mich jetzt der feste Glaube an ihre Liebe -  mein Herz, mein Alles schickt ihnen durch den Ring.
Bald hoff ich, sehen wir uns. Seien sie um Gotteswillen ganz verschwiegen.
Auf ewig

         Ihre Clara

 

Ingo:


Robert an Clara  am 18. September 1837


Liebe Clara!

Die Unterhaltung mit ihrem Vater war fürchterlich. Diese Kälte, dieser böse Willen, diese Verworrenheit, diese Widersprüche. Er hat eine neue Art zu vernichten, er stößt einem das Messer in das Herz...
Was denn nun, meine liebe Clara? Ich weiß nicht, was ich anfangen soll mit dem Gefühl ist ja vollends nichts anzufangen bei ihrem Vater. Was denn nun, was denn nun?
Ich traue ihnen, ach von ganzem Herzen und das erhält mich auch aufrecht, aber sie werden sehr stark sein müssen, mehr als sie ahnen. Hat ihr Vater doch selbst die fürchterlichen Worte zu mir gesagt: „ihn erschüttere nichts“. Fürchten sie alles von ihm , er wird sie zwingen durch Gewalt, kann er es nicht durch List. Fürchten sie alles!
Ich bin heute so tot, so erniedrigt, dass ich kaum einen schönen, guten Gedanken fassen kann; selbst ihr Bild ist mir zerflossen, dass ich mir kaum ihr Auge denken kann
Ihr Ring sieht mich jetzt so lieb an, als ob er sagen wollte, schmäle doch nicht so auf den Vater deiner Clara – dreimal sagten sie neulich fest; ich horchte auf, es kam so recht aus der Tiefe ihrer Seele.
Ich kann fast gar nichts als schweigen, mit jeder neuen Bitte an ihren Vater müsste ich ja eine neue Kränkung erwarten. Strengen sie sich jetzt an, was zu tun ist.
 Verloren ist nichts, glaube ich; aber gewonnen haben wir auch wenig genug. Es liegt jetzt viel daran, dass wir ruhig und vorsichtig fortschreiten, das sehe ich. Am Ende muß er sich doch einmal in den Gedanken fügen, sie zu verlieren. Sein Trotz scheitert an unserer Liebe; es muß werden , meine Clara...
Als ich ihn fragte, ob er denn nicht glaube, dass wir die seligsten Menschen von der Welt würden, so gab er mir das zu – und dennoch war nicht weiter zu kommen.
Viel klarer und schöner als dieser Morgen, wo ich den andern Brief schrieb, stehen sie jetzt vor mir und ihr dreimaliges „fest“ („Ja“) klingt mir wie vom blauen Himmel herunter.
Und ehe ich heute Abschied von dir nehme, mein geliebtes Mädchen, so schwöre es mir noch einmal bei deiner Seligkeit, dass du Mut hast, die Prüfungen , die uns auferlegt sind, mutig zu bestehen, wie ich es auch im Augenblick tue, indem ich die beiden Finger meiner rechten Hand zum Schwur aufhebe. Ich lasse nicht von dir. Verlasse dich auf mich!

Robert

 

Doreen:

Erste gemeinsame Jahre:

Clara Schumann  am  12. September 1840

Was soll ich über diesen Tag sagen! Um 10 Uhr ging die Trauung vor sich in Schönefeld
(bei Leipzig), ein Choral begann, dann sprach der Prediger, ein Jugendfreund Roberts, eine kurze, einfache, aber eine von Herzen zu Herzen gehende Rede. Mein ganzes Innere war von Dank erfüllt zu dem, der uns doch endlich über so viele Felsen und Klippen einander zugeführt; mein innbrünstiges Gebet war, das es ihm gefallen möchte, mir meinen Robert recht lange, lange Jahre zu erhalten – ach! Der Gedanke, ich möchte ihn einmal verlieren, wenn der über mich kommt, dann verwirren sich gleich alle meine Sinne – der Himmel schütze mich vor solchem Unglück, ich trüge es nicht...
Nichts störe uns an diesem Tag, und so sei er auch in diesem Buche als der schönste und wichtigste  meines Lebens aufgezeichnet. Jetzt geht ein neues Leben an, ein schönes Leben, das Leben in dem, den man über alles und sich selbst liebt.

Am 13. September, dem ersten Tag ihrer Ehe – es war Claras 21. Geburtstag – überreichte Robert ihr ein neues Tagebuch, in der er als erste Eintragung schrieb:
„Das Büchlein, das ich heute eröffne, hat eine gar innige Bedeutung, es soll ein Tagebuch werden, über alles, was uns gemeinsam berührt in unserem Haus- und Ehestand; unsere Wünsche, unsere Hoffnungen sollen darin aufgezeichnet werden; auch soll es sein ein Büchlein der Bitten, die wir aneinander zu richten haben, wenn das Wort nicht ausreicht; auch eines der Vermittlung und Versöhnung, wenn wir uns etwa verkannt haben, kurz ein guter, wahrer Freund soll es uns sein, dem wir alles vertrauen, dem unsere Herzen offen stehen...“

Daß eine Ehe zwischen zwei ausgeprägten Persönlichkeiten Gefahren in sich barg, darüber waren sich die beiden schon in der langen Prüfungszeit, die nun hinter ihnen lag, klar geworden. Clara Wieck war, als sie Robert Schumanns Frau wurde, bereits weiten Kreisen des Musikpublikums als Pianistin ein Begriff. Sie stand schon mit 21 Jahren auf der Höhe ihrer Kunst, und ihr nicht mehr Erscheinen in den Konzertsälen wurde von allen als ein nicht zu ersetzender Verlust empfunden. Nur die wenigsten hatten eine Ahnung davon, dass diese zeitweilige Zurückgezogenheit ihr große Bereicherung brachte. Sie spürte und erfuhr es täglich im Zusammenleben mit Schumann neu, dass er für sie als Frau wie als Künstlerin der Mann war, in dem ganz aufzugehen das größte Glück bedeute.
Daß es Schumann lieb gewesen wäre, wenn sie jetzt auf das Konzertieren verzichtet hätte, war von seinem Standpunkt aus begreiflich. Bei seinem wachsenden Schaffensdrang hatte er als Ausgleich das natürliche Bedürfnis nach Häuslichkeit, auch ahnte er wohl die Konflikte voraus, die ein ausgedehntes Wirken seiner Frau in der Öffentlichkeit für sie beide bringen musste.
Wenn bei den Zukunftsplänen es trotzdem beiden immer als selbstverständlich galt, dass Clara ihre künstlerische Tätigkeit fortführen sollte.

 

Ingo:

Gemeinsames Liedschaffen

In den Monaten vor der Hochzeit, in seinem sogenannten Lied- Jahr, war Robert völlig in sein Liedschaffen vertieft und wünschte sich sehnlich, Clara daran teilhaben zu lassen. Die beiden lasen Gedichtbände mit dem Blick auf mögliche Vertonung und machten sich gegenseitig  auf geeignete Verse aufmerksam. Clara wählte Gedichte über Liebesglück und – leid, die Natur und den Frühling.
Die zusammen mit neun Liedern von Robert Schumann als dessen op.37 veröffentlichten drei Lieder von Clara waren, wie wir wissen, nicht ihre ersten. Als Weihnachtsgeschenk an ihren Mann im Jahre 1840 waren schon drei andere entstanden.“... in tiefster Bescheidenheit gewidmet ihrem innigstgeliebten Robert...von seiner Clara“.
Robert war jedoch, entgegen den Befürchtungen seiner Frau, sehr angetan von den Liedern, wie er Ende Dezember dem Ehetagebuch anvertraute: „Die Christwoche ist gerade an mich gekommen. Wie gern möchte ich sie beschreiben, und wie meine Herzens Kläre mich soviel erfreut und beschenkt. Namentlich drei Lieder freuten mich, worin sie wie ein Mädchen noch schwärmt und außerdem als viel klarere Musikerin als früher. Wir haben die hübsche Idee, sie mit einigen von mir zu durchweben und sie dann drucken zu lassen.“
Clara erhielt das erste gedruckte Exemplar an ihrem Geburtstag des Jahres 1841, gerade 13 Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes, der Tochter Marie. Der Titel des Erstdrucks lautete: „ Zwölf Gedichte aus F.Rückert’s Liebesfrühling für Gesang und Pianoforte von Robert und Clara Schumann.
Den Ärger über die nachfolgende Rezension, die in ihrer philiströsen Schulmeisterei typisch für den Stil der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ ist, machte ein Erlebnis im Juni 1842 wett, über das Schumann im Ehetagebuch berichtet:
„Den 15ten hatten wir eine große Freude. Wir hatten Rückert unsere Lieder geschickt, der uns denn mit einem Meistergedichte antwortete.“


Friedrich Rückert
An
Robert und Clara Schumann
In Leipzig dankend
Für ihre Tonsetzung zu seinem
Liebesfrühling
 

Meine Lieder singt ihr wieder,
Mein Empfinden
Klingt ihr wieder,
Mein Gefühl
Beschwingt ihr wieder,
Meinen Frühling
Bringt ihr wieder,
Mich wie schön,
Verjüngt ihr wieder:
Nehmt meinen Dank, wenn euch die Welt,
Wie mir einst, ihren vorenthält!
Und werdet ihr den Dank erlangen,
So hab ich meinen mit empfangen. 

 


 

Ingo:

Clara Schumann – Die Musikerin

Clara Schumanns verlangen nach Musik war unstillbar, und das betraf in ihrem Fall sowohl Musik hören wie Musik machen...
Es gab Zeiten, sowohl während ihrer Ehe wie nach ihres Mannes Tod, da beteuerte Clara, die Liebe zu Robert sei das Höchste in ihrem Leben und wichtiger als ihre Kunst und ihre Karriere. Aber diese Äußerungen erwecken einen falschen Eindruck. Charakteristischer, mehr im Einklang mit ihrem Wesen und ihrer Erziehung sind die vielen in Briefen und Tagebüchern enthaltenen Bemerkungen über ihr Selbstverständnis als Künstlerin.

 

Doreen:


„Heute“ heißt es am 9.Januar 1853, „fing ich auch endlich wieder an, zu studieren. Wenn ich so recht regelmäßig studieren kann, fühle ich mich doch eigentlich  wieder so ganz in meinem Element, es ist, als ob eine ganz andre Stimmung über mich käme, viel leichter und freier, und alles erscheint mir heiterer und freier. Die Musik ist doch ein gutes Stück von meinem Leben, fehlt sie mir, so ist es,  als wäre alle körperliche und geistige Elastizität von mir gewichen.“
„Heute  fing ich seit Jahren zum ersten Male wieder an, etwas zu komponieren, d.h. ich will dem Robert zum Geburtstag ein Thema aus den bunten Blättern von ihm mit Variationen bearbeiten; es wird mir aber sehr schwer, - ich habe zu lange pausiert“, meldet am 29. Mai das Tagebuch und am 3. Juni die Vollendung: „wie mir scheint nicht misslungen“. Wenig später notiert sie: „...Es geht doch nichts über das Selbstproduzieren, und wäre es nur dass man es täte um diese Stunden des Selbstvergessens, wo man nur noch in Tönen atmet.“
„Robert ist so heiter, dass ich mich wahrhaft an ihm erheitere“, lesen wir zwei Tage vor ihrem 14. Hochzeitstag. Daß dieser und ihr am Tag darauf folgender Geburtstag unter diesen so scheinbar glücklichen Umständen als Freudentage gefeiert wurden, war nur zu natürlich. „Kann ein Hochzeitstag wohl schöner sein, als mit einem geliebten und liebenden Mann zur Seite und sechs muntern Kindern um uns.“
 


Ingo:


Abends, als die Gäste gegangen waren, saßen die beiden noch lange zusammen und musizierten, „all’ die neuen Sachen“ wurden auf dem neuen Flügel durchgespielt. 

                                                           
Teil 2:

„Frauenliebe und Leben“     Robert Schumann  op. 42
 
„Seit ich ihn gesehen“
„Er, der Herrlichste von allen“
„Ich kann’s nicht fassen nicht glauben“
„Du Ring an meinem Finger“
„Helft mir ihr Schwestern“
„Süßer Freund, du blickest“
„An meinem Herzen“
„Nun  hast du mir den ersten Schmerz getan“

 

Robert Schumanns letzte Lebenstage (Tagebuch- Clara Schumann)
(Seite224 und ff. aus „Wenn Schumann ein Tagebuch geführt hätte“)
(Seite 246 aus „Clara Schumann - Eine Biografie)
(Seite 137  und ff. aus „Frauenliebe und Leben“)
(Seite 148 und ff. aus „Frauenliebe und Leben“)
(Seite 249 aus „Clara Schumann - Eine Biografie“)


„Nicht mehr zu dir zu gehen“     Johannes Brahms op.52 Nr.2


Beziehung und Freundschaft von J. Brahms und Clara Schumann
( Seite 250 und ff. aus „Clara Schumann - Eine Biografie“ )
    

„Volks- Kinderlieder“      Johannes Brahms WoO 31
(Den Kindern Robert und Clara Schumanns gewidmet)
„Heidenröslein“
„Marienwürmchen“


Claras Kinder, Anekdoten aus Kindertagen
(Seite 165 und ff. aus  „Claras Kinder“ von Eugenie Schumann)

Clara Schumann – Was bleibt?
(Seite 240 und f. aus „Claras Kinder“)

„Widmung“        Robert Schumann op.25   

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„Guten Abend, gut Nacht“      Johannes Brahms op.49 Nr.4


Ingo:

Schumanns letzte Lebenstage

aus dem Tagebuch von Clara Schumann im  Juli 1856

Klara sah Schumann am 27. Juli 1856, zwei Tage vor seinem Tod, an einem Sonntag, wieder. Ihr Tagebuch schließt die Lebensgeschichte Schumanns ab.

 

Doreen:

„Ich sah ihn, es war Abends zwischen 6 und 7 Uhr. Er lächelte mich an und schlang mit großer Anstrengung, denn er konnte seine Glieder nicht mehr regieren, seinen Arm um mich – nie werde ich das vergessen. Um alle Schätze gebe ich diese Umarmung nicht wieder hin. Mein Robert, so mussten wir uns wieder sehen, wie mühsam musste ich mir deine geliebten Züge hervorsuchen; welch ein Schmerzensanblick.
Vor 2 ½ Jahren von mir gerissen, ohne Abschied, was alles auf dem Herzen, und nun still zu seinen Füssen lag ich, wagte kaum zu atmen, und nur dann und wann ein Blick, zwar umnebelt, aber doch so unbeschreiblich  mild wurde mir.
Alles um ihn  war mir so heilig, die Luft, in der er, der edle Mann mit atmete.
Montag, den 28., waren wir, Johannes und ich, den ganzen Tag draußen, immer ab und zu bei ihm, oft aber auch nur durch das kleine Fensterchen in der Wand nach ihm blickend. Er litt schrecklich, obgleich der Arzt es nicht meinte.......
Dienstag, den 29. sollte er befreit werden von seinem Leiden – Nachmittag 4 Uhr entschlief er sanft. Ach, hätte er mich mit sich genommen. Ich sah ihn heute zuletzt – einige Blumen legte ich ihm noch aufs Haupt – meine Liebe hat er mit sich genommen!“


Ingo:


Nachdem Robert in die Pflegeanstalt verschwunden war, fand Clara Trost und moralische Unterstützung bei denjenigen jungen Musikern (Roberts Kinder nannten sie „die jungen Herrn“), die Anhänger von Schumanns Musik waren, zu ihnen gehörten u.a. Joseph Joachim und Johannes Brahms. Man muß bedenken, dass Schumanns Musik ja noch immer weithin unbekannt war und das Clara dankbar sein konnte, wenn die Jüngeren sich für sie einsetzten. Brahms war nicht nur der begabteste Komponist von allen, sondern er stand auch am meisten zu ihrer Verfügung. Auf die Nachricht von Roberts Selbstmordversuch hin eilte er sofort nach Düsseldorf und opferte praktisch die nächsten beiden Jahre seines Lebens für Robert, Clara und  die sieben Kinder.  
Brahms nahm sich ein Zimmer in der Nähe der Schumann’schen Wohnung und integrierte sich völlig in die Familie.

Doreen:

Nach Schumanns Tod schilderte Clara in einem Brief an ihre Kinder, was Brahms ihr in diesen zwei Jahren bedeutet hatte:  „Er kam, um als treuer Freund alles Leid mit mir zu tragen, er kräftigte das Herz, das zu brechen drohte, er erhob meinen  Geist, erheiterte, wo er nur konnte, mein Gemüt, kurz ,er war mein Freund in vollstem Sinne des Wortes.“ 

Ingo:

Brahms an Clara  am  11. Oktober 1857

„Liebe Clara, du musst ernstlich danach trachten und dafür sorgen, dass deine trübe Stimmung nicht alles Maß überschreite und nicht ohne Aufhören sei. Das Leben ist kostbar, gewaltig zerstört solche Geistesstimmung den Körper.
Rede dir nicht ein, dass dir das Leben wenig wert sei. Das ist nicht wahr, das ist bei ganz wenig Menschen wahr.
Gibst du dich ganz solcher Stimmung hin, so genießt du auch frohere Zeiten nicht, wie du könntest. Je mehr du strebst und dich gewöhnst, trübere Zeiten gleichmütiger und ruhiger hinzu- bringen, desto mehr genießt du die frohere Zeit, die immer folgt. Wozu hat denn der Mensch das himmlische Geschenk, die Hoffnung empfangen? Und nicht einmal ängstlich zu hoffen brauchst du, Du weißt, dass angenehme Monate folgen auf diese, wie auf jede unangenehme Zeit.“


Doreen:


Clara an Brahms am  8.Juli 1858

„Tausend Dank für deine  lieben Briefe, die mich recht froh gemacht haben, es war so lange her, dass du mir nicht so lieb geschrieben.“

 13.Februar 1861

„ Du meinst lieber Johannes, ich gebe zu viele Konzerte, weil ich zuweilen etwas zurückliege, aber bedenke meine Sorgen, noch sieben Kinder zu erhalten, fünf noch zu erziehen...
Ich übertreibe es doch nicht, denn an innerer Frische  und Wärme fühle ich mich nicht ärmer, im Gegenteil jugendlicher als vor 20 Jahren, und glaube, dass ein ruhigeres Leben meinem Kummer nur zu viel freien Raum ließe.
Vielleicht fügt sich später einmal alles glücklicher, vielleicht leben wir doch noch einmal in einer Stadt, und dann wird mir ein ruhigeres Leben Bedürfnis sein – im Zusammenleben mit einem geliebten Freunde könnte ich, glaube ich, noch wieder Ruhe und Heiterkeit finden, ist auch mein Glück verloren...“


Ingo:


Viele Jahre später äußerte Brahms in bezug auf seine Düsseldorfer Zeit eine Anspielung auf Goethes „Werther“. Es gibt zweifelsohne Parallelen zwischen dem jungen Brahms und Goethes empfindsamen jungen Helden mit der unerwiderten Liebe zu der Schönen, mütterlichen Lotte, der Verlobten eines anderen Mannes. Brahms schrieb damals im Jahre 1854:
„Ich  muß mich oft mit Gewalt halten , dass ich sie nicht ganz ruhig umfasse und gar, ich weiß nicht, es kommt mir so natürlich vor, als ob sie es gar nicht übel nehmen könnte.
Ich meine, ein Mädchen kann ich gar nicht mehr lieben, ich habe sie wenigstens ganz vergessen, die versprechen doch nur den Himmel, den Clara uns geöffnet zeigt.“


Ingo: 

Ob es Brahms erging wie Werther, ob nämlich seine Liebe unerwidert blieb, kann nicht belegt werden. Clara verhehlte nie, was seine Anwesenheit und seine Freundschaft für sie bedeuteten.
Daß beide sich über hochgezogene Augenbrauen und Klatsch auf ihre Kosten klar waren steht fest: alle ihre Briefe an ihn vor 1858 (die Antworten auf seine leidenschaftlichen Briefe) wurden später vernichtet
Die Freundschaft zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms ist somit von jeher Gegenstand lebhafter Vermutungen gewesen. Die vielen Veröffentlichungen über das angeblich so „leidenschaftliche“ Verhältnis, das die damals vierunddreißig Jahre alte Pianistin und der zwanzigjährige Komponist miteinander gehabt haben sollen, werden der Tiefe der persönlichen und künstlerischen Beziehung zwischen beiden nicht gerecht. Weder Clara Schumann noch Brahms haben je die innige Liebe, die sie füreinander empfanden, geleugnet;...(... eine sexuelle Beziehung während Schumann sich in der Heilanstalt befand, hätte jedoch ganz und gar nicht zu der bekümmerten und pflichtbewussten Clara gepasst.)... Was die späteren Jahre angeht, so deuten alle Anzeichen auf ein platonisches Verhältnis hin. Das Wesen ihrer vielschichtigen Freundschaft lag nicht in einer erotischen Anziehung, die beide vielleicht empfunden haben, sondern im musikalischen und geistigen Geben und Nehmen. Wie einst Robert Schumann, so verdankte auch Brahms Clara die Inspiration für vieles in seinem Schaffen; sie wurde sein „freundlichster, bester Genius“.

 

                                                                                                              

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Doreen:

Erinnerungen aus Kindertagen von Eugenie Schumann
Die Unterhaltung während des Essens war meist sehr lebhaft und angeregt; man kannte sich gut und hatte sich immer was zu sagen. Die Herren gaben öfters Erlebnisse von den Reisen in die Provinzen zum besten, und Mama erzählte wohl mal von kleinen, komischen Begebenheiten mit den Schülerinnen. Da war einmal eine gekommen und hatte ihr die „Arabeske“ von Schumann vorgespielt, darin aber den Mittelsatz in E-Moll ausgelassen. Als Mama sie höchst verwundert darüber zur Rede stellte, erwiderte sie: „ Oh, Papa doesn’t like minor“ (Oh, Papa kann Moll nicht leiden).
Nach dem Essen wurde manchmal die Probe für den nächsten Tag gehalten, oder man unterhielt sich auch nur; wir waren immer sehr lustig, und einmal wurde sogar zur Überraschung Burnands unter der Mitwirkung sämtlicher Musiker die Kindersymphonie von Haydn aufgeführt. Die Spielenden stellten sich neben dem Klavier hintereinander auf, und die Noten wurden dem Vordermann auf den Rücken gesteckt. Joachim liebäugelte mit allen Instrumenten und hätte sie gerne alle gespielt; da das aber doch nicht gut anging, entschied er sich schließlich für den Kuckuck. Nun ging es los, aber – vierundzwanzig Takt Pause sind gar nicht so leicht zu zählen – der Kuckuck setzte immer falsch ein und manch vorwurfsvoller Blick der Mutter, die mit ernster Miene am Flügel saß, traf den launigen Vogel.
(Es gibt wohl keine harmloseren, kindlicheren Menschen als wirklich große Künstler, besonders Musiker.)

Einmal spielte Brahms bei uns seine D – Moll Sonate für Klavier und Violine. Da ist am Ende des dritten Satzes ein „Tranquillo“, und unsere Mutter sagte immer, da gehe man am Schlusse wie auf Eiern. Marie und ich waren nun sehr gespannt, wie Brahms über die Stelle hinwegkommen würde, ohne sich zu verheddern. Aber siehe da , es ging ganz leidlich, denn er nahm das „Tranquillo“ so unglaublich langsam, das ihm nichts passieren konnte. Vergnügt lächelten wir uns zu: Der geht auch auf Eiern, dachten wir.

Viel gute Geister umstanden unsere Wege, und dennoch ward uns Kindern das Leben nicht leicht. Ich denke dabei nicht in erster Linie an die schweren Schicksalsschläge, die, einer sich dem andern anreihend, und von Kindheit an verfolgten, sondern mehr an unsern Entwicklungsgang, wie er unauflöslich mit dem Dasein eines überragend hochstehen

 

 
 
 
www.saechsische-taschenoper.ch

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