Carmens Zauber  


Carmens Zauber ist übermächtig
Bizet-Oper in der Hayner Burgruine

Zwar hätte das angekündigte Unwetter die tödliche Liebestragödie der Zigeunerin Carmen effektvoll untermalen können. Doch blieb es beim Orchesterdonner, und das Publikum in Dreieichenhain konnte Bizets populäre Oper im Trockenen genießen. Zum zweiten Mal war die Opera Classica Europa zu Gast bei den Burgfestspielen. Regisseur Ingo Anders beschränkte das Bühnenbild auf sparsamste Zugaben, so war für den häufig präsenten Chor genügend Spielraum, der geschickt genutzt wurde.

Der Plovdiver Opernchor agierte mit heißblütigem Temperament und überdeutlicher Gestik. Daraus ergaben sich gelegentlich Probleme der Verständigung mit dem Orchester. Auch die Solisten brauchten einige Zeit, mit der Freiluft-Situation fertig zu werden. Dem aus Wales stammenden Rhodri Britton, dessen suggestivem Dirigat seine Sängerlaufbahn anzumerken war, gelang es aber immer wieder, mit eiserner Hand Einigkeit herzustellen.

Die Regie ließ zur Ouvertüre eine Flamenco-Tanzgruppe auftreten und führte bei den Klängen des Todesmotivs bereits eine pantomimische Begegnung zwischen Don José und Carmen herbei. Die Flamenco-Gruppe Alma Gitana, nicht gerade von umwerfendem Temperament, tanzte auch zur Zwischenaktmusik vor dem zweiten Aufzug. Silvia Balistreri war eine grazile und raffinierte Carmen, die über die nötige erotische Ausstrahlung und tänzerische Beweglichkeit verfügte. Die junge italienische Sängerin mit dem eher spröden Mezzosopran war schauspielerisch und stimmlich ein Volltreffer. Sie stellte den Don José des südafrikanischen Spintotenors Gérard Roux in den Schatten. Zu wenig machte er die Wirkung von Carmens erotischer Macht glaubhaft, die ihn existenziell aus der Bahn wirft. Erst im dritten und vierten Akt steigerte er sich zu Stimmfülle und leidenschaftlicher Überzeugungskraft. Marcello Lippi machte als stimmkräftiger Escamillo eine imposante Figur. Seine wenig asketische Statur ließ allerdings daran zweifeln, ob er sich noch an einen Stierkampf wagen könnte.

Ansprechende Leistungen gab es in den Nebenrollen, so mit Andrea Hörkens als liebenswerte Unschuld Micaëla und Randy White als Leutnant Zuniga. Zu Recht gefeiert wurden Claudio Fernandez und Gary Cooper als Schmuggler sowie Gunda Baumgärtner und Judith Christ als Carmens Freundinnen Frasquita und Mercédès. Ihre Ensembleauftritte im vierten Akt waren so hinreißend, dass man ihnen Hauptrollen gewünscht hätte.

Eva Schumann

 


 

 

 

 

 
 
 
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