Der Vogelhändler


Jede Rolle ist für den Sänger ganz  "Anders"

Ingo Anders gibt den Vogelhändler in der gleichnamigen Operette der Fricktaler Bühne
 
Jahrelang gastierte der Tenor Ingo Anders in Europa, Japan und Amerika an renommierten Opernhäusern. Seit einem Jahr wohnt er im Fricktal.

Welch ein Kontrast: Im subventionierten Theater  Basel singt Ingo Anders auf einem Liegestuhl in einer frostigen Landschaft, denn dort spielt sich eine der Szenen von «La Bohème» ab. Auf der Bühne des alt-ehrwürdigen Rheinfelder Bahnhofsaals agiert der Tenor als bauernschlauer Adam. Der 48-jährige Ingo Anders sagt: «Ich liebe die verschiedenen Partien, und jede Rolle fordert mich heraus. Einen Unterschied zwischen so genannter leichter Muse und angeblich anspruchsvolleren Opernpartien mache ich nicht. Das Engagement im Chor des Theaters Basel, welcher einen ausgezeichneten Ruf geniesst, liess mich endlich sesshaft werden. Eiken ist ein idyllischer Flecken Erde. Der Weg zu den Proben im Theater Basel führt stets am Rhein vorbei. Und dieser erinnert mich an meinen Geburtsort Düsseldorf.»

VIELSEITIG.

Die Karriere des Sängers Anders verlief auf Umwegen (Erwachsenenpädagoge in der Drogenszene München), aber dennoch zielstrebig. Er studierte Pädagogik, Kirchenmusik und Gesang. Am Gärtnerplatztheater in München erhielt er sein erstes Engagement. Dann folgten Gastspiele in, Frankfurt/Main und Oder, Halle/Saale, Braunschweig, Berlin, Dresden, Mannheim, etc..Und sowohl in Winterthur, Luzern und Zürich wie auch in Mailand, New York und Tokio jubelte ihm das Publikum zu. Er sang den Tamino in der «Zauberflöte», den Max im «Freischütz», den Herzog im «Rigoletto» sowie den Che, welchem er in der Realität rein äusserlich sehr nahe kommt, im Musical «Evita». Im Konzertbereich hat er bedeutende Partien aus allen Stilepochen gesungen. An der Expo 2000 war Ingo Anders in einer Uraufführung des Theater Magdeburgs ebenfalls mit von der Partie.

TAKTSTOCK.    

Neben der Tätigkeit im Theater Basel und seinem Engagement bei der Fricktaler Bühne nimmt er, wenn immer die Zeit es erlaubt, auch andere Verpflichtungen wahr. Der quirlige Mann, welcher im «Vogelhändler» eine tänzerische Einlage gibt, dirigiert den Männerchor Eiken. «Wo ich zuhause bin, will ich an der Kultur teilhaben. Es ist erfreulich, wie motiviert und diszipliniert mir die Männer folgen.» Neben dem Singen ist inzwischen die Regie zu einer weiteren Passion geworden. «Carmen», «Don Pasquale» oder «Die Fledermaus» forderten ihn mächtig heraus – und er reüssierte. «Beim Inszenieren habe ich freie Hand und weil ich die Bühne aus dem Eff-Eff kenne, kann ich nachvollziehen, was die Protagonisten tun müssen oder sollen. Ich habe Regisseure erlebt, die sich da sehr schwer tun, da man Regisseur im Musiktheater doch die Musik wirken lassen muss.»

AUFTRIEB.

Ingo Anders betont, dass jede Form des Musiktheaters Unterhaltung bietet, mit mehr oder weniger schweren Themen. Aber auch «der Vogelhändler» brauche handwerkliches Können und nach über 20 Jahren Berufserfahrung in allen möglichen Kunstgattungen sei der Übergang nicht schwer, eher spannend und die Operette beflügle ihn. Auch das experimentelle Theater schockt ihn längst nicht mehr, denn auch diese Kunstform und Stilrichtung verdiene ihren Platz in der Kulturszene. «Ich bin in dieser Hinsicht zu vielen Schandtaten bereit, wenn sie Sinn machen.» Er wünscht sich neben einer stabilen Gesundheit eine ausgeglichene Familiensituation, welche beim Herumreisen arg gelitten hat. Und ehe er als Adam aus Tirol wieder seine Christel umwirbt, sagt er dezidiert: «Das Theater darf nie den Bezug zum Publikum verlieren.»

Regina Erb

 

 

 
 
 
www.saechsische-taschenoper.ch

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