Geradlinige Oper

"Geradlinige Oper auf enger Bühne"


BURGFESTSPIELE Engagiertes Ensemble überzeugt mit dem Barbier von Sevilla/Orchester muss sich aufteilen

Geschrieben in nur drei Wochen zwischen Januar und Februar 1816 wurde Gioacchino Rossinis Oper "Il barbiere di Siviglia" zu einem Welterfolg und ist es bis heute geblieben. Obwohl die Umstände denkbar ungünstig schienen. 1815 war Rossini zum offiziellen Stadtkomponisten von Neapel ernannt worden und hatte prompt ein erfolgloses Werk abgeliefert. Auf das Libretto von Cesare Sterbini nach einer Erzählung von Pierre Beaumarchais, der auch die anderen "Figaro"-Stoffe geschrieben hatte, war bereits eine Komposition auf dem Markt. So nannte Rossini seine Oper zunächst "Almaviva", viele der Melodien oder auch gesamte Nummern entlieh er aus seinen früheren Werken. Schon wenige Wochen nach der erfolgreichen Premiere aber zeichnete sich der gigantische Publikumszuspruch ab.

Profiteure dieser zum Ende dann doch glücklichen Umstände waren auch die Gäste der Eppsteiner Burgfestspiele. Bereits zum dritten Mal gastierte nun die "Opera Classica", ein international besetztes Ensemble mit Sitz in Bad Schwalbach, im Burghof und bespielte den malerischen Schauplatz mit großer Oper.

Flexible Sänger

Und einmal mehr ist es ihrem Regisseur Ingo Anders gelungen, eine wahrhaft bezaubernde Atmosphäre hierher zu bringen. Es ist dem außergewöhnlich hohen Engagement der Künstler und ihrer erstaunlichen Bereitschaft, sich auf schwierige Bedingungen einzulassen, zu verdanken, dass dies überhaupt möglich wurde. Allein dem Orchester werden enorme Hürden gesetzt. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten haben sich die Mitglieder des Dubrovnik Symphony Orchestra, der Frankfurter Sinfoniker und des Sophia Symphony Orchestra regelrecht aufteilen müssen. Vorne, mit direkter Sicht zu Dirigent Rhodri Britton, hatten die Streicher Platz genommen, hinter der Wand, verbunden nur durch zwei Fenster und vermutlich eine Kamera, waren die Bläser platziert. Doch das Ergebnis spricht für sich. Unverstellte, geradlinige Oper ohne überambitionerte Regiebemühungen, die oft vom eigentlichen Geschehen ablenken. Auf diese Weise wurde den zahlreichen Besuchern die Geschichte von dem Grafen Almaviva erzählt, der mit viel List und Geschick das Herz der jungen Rosina erobert. Mit im Spiel ist der listenreiche Figaro.

Während die Ouvertüre noch etwas zaghaft erklang, entwickelte sich das Orchester rasch zu einem zupackenden und engagiert begleitenden Instrumental-Ensemble. Die Rolle der Rosina hatte Nidia Palacios, eine argentinische Mezzosopranistin mit brillanten Spitzentönen übernommen, die zudem mit ihrer Koloraturensicherheit und einem warmem Timbre überzeugte. Adam Kim, seit 2006 an der renommierten Staatsoper Stuttgart engagiert, erwies sich in der Rolle des Figaro als kraftvoll aussingender Bariton. Emotional gestaltete Paul Brodene Smith die Rolle des Grafen Almaviva, William Wilson gab einen souveränen Bartolo. Als Musiklehrer Basilio gefiel Vazgen Ghazaryan.

Von Daniel Honsack

14.07.2009 - EPPSTEIN



 

 
 
 
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