Klingenberg

Oper: »Der Freischütz« von Carl Maria von Weber als Gastspiel auf der Clingenburg - Fesselnde Romantik

Klingenberg

 Da erfüllte sich für den Festspielverein auf der Clingenburg ein langgehegter Wunschtraum: Der Freischütz in der romantischen Kulisse der Burgruine! Das bedeutet Deutsche Romantik im Quadrat auf den verschiedenen Ebenen der Naturbühne mit der Möglichkeit, die dörfliche Idylle und die gruselige Wolfsschlucht räumlich voneinander zu trennen.


Wilde Verzweiflung: Regisseur und Tenor Ingo Anders sang von den Qualen des Erfolgsdrucks des »Freischütz« in der gleichnamigen Oper auf der Clingenburg.

Foto: Daniela Tiggemann

Ausgerechnet kurz vor seiner Bewährungsprüfung, dem »Probeschuss«, gerät Jägerbursche Max in Panik. Dieser Schuss nach altem Brauch soll ihm die Hand seiner geliebten Agathe verschaffen. In seiner Not lässt er sich von Kaspar überredet auf einen Pakt mit dem teuflischen Samiel ein, der ihm eine treffsichere »Freikugel« verschaffen kann. Dieser mythische Stoff mit Geisterbeschwörung und reiner, alles überwindender Liebe regte Carl Maria von Weber zu seinem Publikumsliebling »Der Freischütz« an. Heitere und düstere Szenen wechseln einander ab und werden von einer Musik begleitet, die sich ganz der Stimmung anpasst und auch mal in schräge Dissonanzen ausbricht.

»Opera Classica Europa«, ein Musiktheaterunternehmen aus Bad Schwalbach, brachte in diesem Jahr die Oper nach Klingenberg. Das bedeutete durchaus einen Wechsel nach vielen Jahren der Gastspiele osteuropäischer Musiker und Sänger, die technisch hervorragende Belcanto-Opern boten. Die Bad Schwalbacher gaben die »erste deutsche Nationaloper« mit - zumindest zum größten Teil - ausgezeichneten deutschsprachigen Sängern in einer Inszenierung des in Basel tätigen Tenors Ingo Anders.

Eine gelungene Aufführung, die vom Ambiente profitierte, wenn man auch wegen der Freilichtatmosphäre technisch ein paar Mängel in Kauf nehmen musste. Die nicht nur räumliche Entfernung zwischen dem leidenschaftlich aufspielenden Orchester (voll Gefühl: ein namenloses Solocello) und den Sängern musste Dirigentin Sibylle Wagner mit viel Geschick überspielen. Leider blieb dabei der nicht elektronisch verstärkte Chor akustisch auf der Strecke.

Ingo Anders, der auch die Titelpartie sang, hatte für diesen Chor - eine Zusammensetzung aus deutschen und amerikanischen Nachwuchssängern - visuell sehr ansprechende Szenen inszeniert. Viel Bewegung und Komik musste das eingeschränkte Hörerlebnis ersetzen. Die Solopartien dagegen wurden durch Mikrophone übertragen und konnten szenengemäß die Stimmen einsetzen. Anders überzeugte da zu Anfang mit seinem runden Tenor, der, als Max zunehmend in Bedrängnis geriet, mit Schärfe ausbrach.

Claudia Grundmann als Agathe konzentrierte sich ganz auf den lyrischen Klang ihrer Arien. Unschuld und Reinheit bestimmten ihren Ton, der wunderbar sowohl den Tenor als auch den Koloratur-Sopran der blutjungen Jessica Fründ ergänzte. Deren leicht-beschwingte Koloraturen perlten aus ihrer Kehle, von kokett-frecher Darstellung unterstrichen.

In der Schlüsselszene in der Wolfsschlucht wurden dann alle Register der Bühnenkunst gezogen: offene Feuerstellen auf einer der oberen Bühnenebenen der Burg, unheimliche rot-blaue Beleuchtung, umhertanzende Geistergestalten. Im Hintergrund stets bedrohlich präsent die schwarze Figur des Samiel (Detlev Pawlik) mit weißgeschminktem Gesicht. Da der Chor hier noch zusätzlich von Geräuschen übertönt wurde, musste bereits alles optisch vermittelt werden.
Im letzten Akt hatten die Zuschauer noch mal die Freude, die neun »Naturhornbläser Hessen« aus Wiesbaden zu hören, die bereits vor Beginn und in der Pause bei kurzen Auftritten ihre Jagdhörner hören ließen.

Daniela Tiggemann

Zur Person: Carl Maria von Weber

Carl Maria von Weber wurde 1786 in Eutin geboren und ist 1826 in London gestorben. Sein Vater Franz Anton von Weber war Musiker und reisender Theaterdirektor und Bruder von Konstanze Mozart (der Frau von Wolfgang Amadeus Mozart). Webers Mutter verstarb früh.
Carl Maria von Weber verlebte aufgrund der Reisetätigkeit seines Vaters eine unruhige Jugend. 1797 erhielt er Theorieunterricht bei Michael Haydn in Salzburg, später wurde er von Abbé Vogler in Wien unterrichtet. Auf Voglers Vermittlung hin erhielt er 1804 ein Engagement als Kapellmeister in Breslau. Danach war er Privatsekretär des Prinzen Ludwig von Württemberg in Stuttgart.

In Darmstadt traf Weber Abbé Vogler wieder und schloss Freundschaft mit Giacomo Meyerbeer.
1813 wurde von Weber Kapellmeister der deutschen Oper in Prag. In Prag lernte er seine Lebensgefährtin Caroline Brandt kennen. 1816 ging er als Kapellmeister an das Dresdener Hoftheater.

1826 reiste Weber zur Uraufführung seiner Oper »Oberon« nach London. Obwohl er gesundheitlich stark geschwächt war, dirigierte er noch drei Aufführungen des »Oberon«. Er starb kurz danach an Schwindsucht.

Carl Maria von Weber gilt als der Schöpfer der deutschen romantischen Oper.

 

 

 
 
 
www.saechsische-taschenoper.ch

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